Personenbefreiung: Schlüssel zur Haustür?

  • Liebes Forum,


    ich bin neu hier. In der Suche habe ich nichts gefunden, daher meine Frage:


    Ich betreibe als Hauseigentümer einen Otis-Seilaufzug aus dem Jahr 1966. Der Aufzug ist seitdem mehrfach modernisiert worden und verfügt über einen automatischen Notruf, eine neue Steuerung, ein Sicherheitskonzept und eine automatische Betriebsüberwachung (sorry, wenn das nicht die exakten Fachbegriffe sind).


    Seit Jahren geht der Aufzug beim TÜV Nord in der Sicherheitsprüfung mit geringen Mängeln durch.


    Jetzt hat sich der TÜV plötzlich etwas Neues einfallen lassen und bemängelt in meinem Sicherheitskonzept, dass die Personbefreiung nicht vollständig gewährleistet sei, da im Schlüsseltresor neben dem Zugang zum Aufzugsmaschinenraum nicht auch noch ein Schlüssel für die Haustür hinterlegt sei.


    Wenn ich das übersetze, verstehe ich das so, dass der TÜV sich überlegt hat, wie verletzte oder eingeschlossene Personen gerettet werden können, und dabei folgendes Szenario durchgespielt hat: Der Retter schlägt die Scheibe des Schlüsseltresors ein und beschafft sich den Zugang zum Aufzugsmaschinenraum, wo er den Notknopf oder was auch immer betätigt. Dann rettet er die verletzten oder eingeschlossenen Personen und will mit Ihnen das Haus verlassen, scheitert aber an der verschlossenen Hauseingangstür.


    Das war in den letzten 52 Jahren offensichtlich kein Problem :S . Und im Falle eines Brandes, einer Überschwemmung oder eines Erdbebens dürften doch Polizei, Feuerwehr und alle weiteren Retter dasselbe Problem haben. Hat aber bislang noch niemand bemängelt.


    Natürlich kann man dazulernen, und die Zeiten ändern sich, und manchmal auch die Sicherheitsanforderungen. Ich habe aber generell ein schlechtes Gefühl damit, einen Haustürschlüssel an eine mehr oder weniger öffentlich zugängliche Stelle zu hängen. Das Haus hat eine Sicherheitsschließanlage und wir achten penibel darauf, an wen Schlüssel ausgegeben werden. Bei den Gewerbemietern gab es in den letzten 20 Jahren eine Vielzahl von Einbrüchen und Einbruchsversuchen, sodass ich es einfach für keine gute Idee halte, einen Haustürschlüssel auf dem Präsentierteller vorzuhalten. Natürlich muss man die Scheibe des Schlüsseltresors einschlagen, um ranzukommen, aber was soll ich denn dann demnächst tun, wenn der Schlüssel dort fehlt? Jedes Mal die gesamte Schließanlage austauschen lassen? Ich weiß auch nicht, wie die Gebäude-und die Hausratsversicherungen dazu stehen, dass man den Zugangsschlüssel öffentlich aufhängen soll.


    Ist jemandem so eine Anforderung schon einmal untergekommen? Wie seid ihr damit umgegangen?


    Die Original-Mängelanzeige lautet wie folgt:


    "Wiederkehrende Prüfung gemäß §16 BetrSlchV
    Prüfgrundlage: BetrSichV in Verbindung mit TRBS 1201 Teil 4


    Festgestellte Mänge!:
    1. sicherheitserhebliche Mangel 701A
    Die Personenbefreiung im Notfall ist nicht nachvollziehbar gewährleistet.
    Im Schlüsseltresor fehlt ein Schlüssel zum Hauseingang.


    2. geringe Mange! 712A


    ..."


    Die geringen Mängel tun hier nichts zur Sache, dazu eröffne ich noch einen Extra-Thread.


    Viele Grüße und schon jetzt vielen Dank fürs Mitdenken,
    Jan (Cage_and_Fish)

    --
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  • Die Frage ist wie lautet überhaupt dein Konzept zur Befreiung von Eingeschlossenen Personen.
    Wer befreit und wie kommt er ins Gebäude.
    Ich glaube nicht das er das Schlüsselkästien an der Maschinenraumtür meinte als er den Mangel aufschrieb.sondern den "schlüsseltresor" neben der Haustür.


    Ansonsten Meldest du den Mangel beim TÜV ab
    Haustür Schlüssel wurde der Firma XYZ ausgehändigt .Diese führt die Notbefeiung durch.
    Oder im Alarmplan ist zum Beispiel der Aufzugswärter hinterlegt und der Hat einen Haustür Schlüssel.


    Ansonsten habe ich so einen Mangel noch nicht erlebt.

    Meine Beiträge basieren auf Berufs-und Lebenserfahrung , gefährlichen Halbwissen und Klugscheißerrei ?(

    Einmal editiert, zuletzt von Aufzugsbauer ()

  • Den Mangel wirst du überall dort erleben, wo der ungehinderte Zugang zum Haus nicht gewährleistet ist.
    Die Außentresore haben keine Scheibe zum einschlagen. In der Regel sind das auch Schließanlagen, jede Firma hat hier ihre Schließung.


    Das Problem was hier vorliegt ist, das es keinen ungehinderten Zugang zur Anlage/Haus gibt. Das kann dann schon Probleme bei der Befreiung aufwerfen, und ist eigentlich selbsterklärend.

  • Danke fürs Mitdenken.


    Der Aufzug hat natürlich einen 24-Stunden-Notruf-Servicevertrag mit OTIS mit 24-Stunden-Notbefreiung. OTIS hat sämtliche notwendigen Schlüssel und natürlich auch den Hausschlüssel und den Zugang zum Maschinenraum. Deshalb war das in den letzten 52 Jahren ja kein Problem. Das Befreiungskonzept lautet, dass OTIS über den Notruf benachrichtigt wird, losfährt, ins Haus geht und die Personen rettet.


    Die „befähigte/sachkundige Person“ im Haus verstehe ich in diesem Konzept nur als Reservelösung, falls es Notfälle, Probleme oder Schwierigkeiten gibt, die ganz schnell vor Ort gelöst werden können. Diejenige Person hat ebenfalls einen Hausschlüssel und eine Schlüssel zum Aufzugsmaschinenraum, da es sich um eine Mieterin handelt.


    Das Schlüsselkästlein am Maschinenraum habe ich in dem Konzept bislang immer als zweite Reservelösung verstanden. Falls der Notfallretter von OTIS mal unterwegs den Schlüssel verliert, oder die sachkundige Person ihren gerade nicht findet, soll trotzdem ein unmittelbarer Notfallzugang zum Aufzug vorhanden sein, um dort das Not-Aus betätigen zu können.


    Aber danke für die Tipps. Ich frage dann morgen noch mal beim TÜV nach, wie das gemeint ist. Wenn es tatsächlich um einen Hausschlüssel im Schlüsseltresor draußen vor der Haustür ginge, dann frage ich mich ja doch, was da sonst drin sein soll, wenn nicht ein Hausschlüssel...


    Ich habe da – ehrlich gesagt – noch nie hineingeschaut.


    Viele Grüße und danke,
    Jan (Cage_and_Fish)

    --
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  • Da wirst du auch nicht reinschauen können, denn den Schlüssel um den Trsor zu öffnen, haben in der Regel nur Otis Servicetechniker, um eben bei Personenbefreiung ins Haus und zur Anlage zu gelangen. Falls da kein Schlüssel drin sein sollte, und der Tüv (mit dem Techniker) nur übers klingeln rein kommt, dann wird das der Mangel sein. Es gibt viele Eigentümer und Verwaltungen, die wechseln einfach mal die Schließanlage und vergessen dabei den Schlüsseltresor, und schwupps steht der Techniker bei Personenbefreiung vor verschlossener Türe.

  • So wie ich die Mängelanzeige lese, steht da: Festgestellte Mänge!:

    1. sicherheitserhebliche Mangel 701ADie Personenbefreiung im Notfall ist nicht nachvollziehbar gewährleistet.

    Im Schlüsseltresor fehlt ein Schlüssel zum Hauseingang. Vermutlich ist einfach der Schlüssel aus dem Tresor verschwunden (verbummelt, verloren, abgegangen und hängt in der Tasche vom Servicetechniker fest usw.usf..) und muss ersetzt werden. Das sollte man mit Otis abklären. Die zuständigen Servicetechniker auf der Route sollten Ihre Anlagen eigentlich kennen. Wenn der Schlüssel wieder hinterlegt ist, beim TÜV den Mangel abmelden (die Telefonnummer sollte auf dem Protokoll stehen).

  • Ich würde auch eher meinen es geht um den Schlüssel im Tresor, also vor oder neben dem Hauseingang.

    So ist es. Wenn der Hauseigentümer keinen Hinterlegt, und es kommt zu einem Notfall, kann es teuer werden. Damit meine ich keine Strafe. In Wien hatten wir einen beinahe vergleichbaren Fall. Notruf ging ein, Feuerwehr setzte sich zur Personenrettung in Bewegung. Bis hier alles gut. Aber jetzt kommt es. Die hatten offenbar keinen Tresorschlüssel mit und haben die Eingangstür einfach aufgebrochen. Weiters hatten die auch keinen Dreikant mit, also wurde auch der Auzug aufgebrochen.


    Schaden: 35.000 Euro. Die FW hat mit Personenrettung argumentiert und nichts bezahlt. So könnte es dann auch ablaufen, wenn es keinen Schlüsseltresor neben dem Hauseingang gibt. Wer sein Geld nicht verschenken will, investiert besser die paar Euros für einen Rohrtresor.